Archiv für den Monat: April 2015

So war unser Whiskydinner im Café von Sturm (Teil 2 Irland)

Die Überfahrt auf die grüne Insel gelang mit Hilfe eines irischen Trinkspruches recht mühelos:

Here´s to a long life and a merry one.
A quick death and an easy one.
A pretty girl and an honest one.
A good whisky and another one

Der erste Vertreter im Glase war ein waschechter Ire: Der Greenore 8 fängt einen sofort mit der typischen “grünen Wiese” in der Nase ein. Mit geschlossenen Augen habe ich direkt dieses Bild vor Augen. Frisches, saftig grünes Gras und strahlend blauer Himmel. Hiernach kommt die irische Süße, etwas Honig und natürlich auch der Klebstoff in der gelben Tube deutlich zum Tragen. 8yearoldBeim Greenore handelt es sich um einen Single Grain Whiskey, 8 Jahre lang in ex Bourbon-Fässern gelagert bringt er die typische Süße auch geschmacklich mit. Feine Getreidenoten, etwas Honig und auch Orangenaromen finde ich hier immer wieder. Leider ist der Gute derzeit nicht oder nur schwer zu bekommen.

Nach einem Ausflug in die Geschichte irischer Destillerien, deren Anzahl von 29 legalen Destillerien in 1885 auf nur noch 4 aktive Destillerien Anfang diesen Jahrhunderts zurück ging, können wir uns nun wieder über 9 Destillerien freuen, die produzieren aber noch nicht alle abfüllen. Gut Ding will eben Weile haben……..

LammkotelettsAuch essenstechnisch ging es nun auf die Insel. Zwei wirklich auf den Punkt gegarte  Lammkoteletts mit grünen Bohnen und Kartoffelecken wurden von einer Soße umrahmt die ihresgleichen sucht. Mehr Irland auf dem Teller geht nicht, wirklich kulinarische Spitzenklasse.

Um die Gäste hiernach wieder in den Bann ziehen zu können, musste es schon ein ordentliches Stück Destillationskunst sein. Dreifach destilliert, das Ganze in Pot Stills und mit einem gelben Punkt versehen. ;-) Wer dabei war weiß jetzt schon wovon ich rede, der große Bruder des Green Spot. Der Name ist aufgrund der unterschiedlichen Farbmarkierungen auf den lagernden Fässern entstanden, die der Brennmeister damals zur Qualifizierung der Destillate aufbrachte. Zur genauen Beschreibung des Yellow Spot geht´s hier lang:

http://tasting-team.de/blog/?p=228

Dieser wirklich tolle Whiskey hat auch die letzten Vorbehalte gegenüber irischen Whiskeys dahinschmelzen lassen. Hier waren sich alle Anwesenden einig, dieser Vertreter ist ein herausragender. Allerdings hat auch er das weit verbreitete Problem der Endlichkeit, ich hoffe aber dass er uns noch ein paar Tage zur Verfügung stehen wird.

Einen Ausflug in die bewegte irische Geschichte, beginnend mit der ersten Besiedelung ca. 7000 v.Chr. zeigte die wirklich interessante Entwicklung des Inselvolkes bis in Jahr 1998 und dem zugehörigen Karfreitagsabkommen. Auch vor schockierenden Bildern machten wir nicht halt. Wie am Vortragsabend heißt es nun stark sein oder nicht hinschauen:

Prohibition-page-001 Temperenzler

Mich persönlich schmerzt das linke Bild doch etwas mehr, die Prohibition war eine harte Zeit für die Iren, hier ging einmal mehr die komplette irische Wirtschaft in die Knie und man fand lange Jahre den Anschluss nicht mehr. Zum Glück befindet sich der irische Whiskey mittlerweile wieder im Aufwind und schaut in eine vielversprechende Zukunft. Ich denke die Drohung der Damen wurde auch damals schon mit einem “Slainté” mannhaft hingenommen und man(n) wusste sich seinem Schicksal zu fügen. ;-)

Bevor wir uns nun dem finalen Whiskey zuwendeten gab es erst einmal den letzten Gang des Abends: Irish Coffee Cake mit Vanilleeis und Kürbiskernöl. Auch hier bewies das Café von Sturm erneut seine Ausnahmeklasse. Die Verarbeitung feinster Schokolade zu einem im Mund schmelzenden Kuchen habe ich noch nie vorher so erlebt und genossen. Dies war eine weitere Bestätigung für die große Fangemeinde der süßen von Sturm Kreationen.jqueryslider.image.1402949964

http://www.cafe-vonsturm.de/

Wir haben im Vorfeld lange überlegt wie man dieses kulinarische Tasting würdevoll abschließen könnte. Als einzige Möglichkeit blieb nur etwas Rauchiges über. Rauch in irischen Whiskeys? Nicht wirklich, oder? Na klar, einen Vertreter gibt es auch auf der grünen Insel:Connemara 12 Yr Old 2010

Der Connemara 12 vereint die typisch irische Milde mit den rauchigen Aromen der schottischen Inselwelt, hier allen voran die der Insel Islay. Mit seinem vollen Geschmack nach Torfrauch, gemälztem Getreide, Vanille, reifen Früchten und einer leichten Honigsüße harmonisierte er perfekt mit dem gebotenen Dessert. Dieser Connemara ermöglicht auch Whisk(e)yfreunden ohne bisherige Berührungen mit über Torfrauch gedarrtem Getreide einen Einstieg in diesen sehr speziellen Bereich der schottischen Destillate.

Mittlerweile versuchen sich weltweit viele Destillerien an rauchigen Abfüllungen, sei es direkt während der Herstellung des Destillats als auch im finishing der Whisk(e)ys, d.h. während der Lagerung des Produktes in gebrauchten Fässern, in denen vorher bereits rauchiger Whisky lagerte. Einer meiner persönlichen Favoriten der letztgenannten Gattung ist der Balvenie Islay Cask. Alle Stärken eines Balvenie abgerundet mit dem Rauch der Insel. Einfach perfekt. :-)

Einfach perfekt war auch dieser Abend, rundum zufrieden und geschmacklich völlig zufriedengestellt blieb uns nur der Dank an Astrid und Jörg Freyer und deren tolles Team für die reibungslose Abwicklung und das perfekte Vier-Gänge-Menü in stilvollem Ambiente. Ein großer Dank geht auch an unsere Zuhörer die, trotz der Dauer und des tatsächlich in geringer Dosis vorhandenen Alkoholgehaltes in unseren Getränken, bis zum letzten Satz aufmerksam waren und mit ihren Fragen, Kommentaren und Geschichten nicht unerheblich zum guten Gelingen des Abends beigetragen haben. Einig waren sich alle Anwesenden:

Dies war mit Sicherheit nicht die letzte Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Café von Sturm. Erste Planungen laufen bereits und wir werden frühzeitig den nächsten Termin bekanntgeben.

Bis dahin bleibt alle gesund und einem guten Dram nicht abgeneigt.

Uwe & Markus

So war unser Whiskydinner im Café von Sturm (Teil 1 Deutschland)

In Anlehnung an das jährlich wiederkehrende Sylvester-Ritual begrüßte Uwe mit einem zufriedenen “All places layed out” Gäste und Gastgeber. Nach einer kurzen Einführung stießen wir gemeinsam mit dem Slyrs (=´Schlürs´) Whiskyliqueur auf einen schönen Abend an. IMG_4428.JPGmini

Unsere Zuhörer waren bunt gemischt, vom Whiskyneuling über erste vorhandene Erfahrungen bis hin zum Genießer / zur Genießerin war alles vorhanden.

Den Slyrs Whiskyliqueur haben wir aufgrund seiner ausgewogenen Milde und Süße als Starter gewählt, hier gilt es den Gaumen und die Zunge auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Mit seiner angenehmen Süße, dem feinen Honigaroma sowie leichten Anklängen von Vanille und Kräutern fand der Slyrs umgehend den ein oder anderen neuen Freund.IMG_4433.JPGmini Derzeit mein persönlicher Favorit unter den deutschen Whiskyliqueuren.

http://www.slyrs.de/

In dem wirklich stilvollen Ambiente des http://www.cafe-vonsturm.de/ ließ auch der erste Gang nicht lange auf sich warten. Ein geschmacklich hervorragendes Sellerie- Creme- Süppchen mit einer perfekt angebratenen Jakobsmuschel machten Appetit auf mehr. Generell ist das Café von Sturm immer eine kulinarische Empfehlung für alle Feinschmecker, Schokoladen- und Tortenliebhaber. Wer sonntags einmal durch Odendorf fährt, wird anhand des übervollen Parkplatzes unschwer die Lage des Cafés an der Hauptstraße erkennen können.

279860_223878690989728_135786583132273_721254_5431221_ominiDer erste Single Malt Whisky in der Runde stammte aus Freudenberg am Main. Genauer gesagt aus der Edelobstbrennerei J. & M. Ziegler GmbH. Der erste Whisky aus dem Hause Ziegler hört aufgrund seiner tollen goldenen Farbe auf den passenden Namen Aureum 1865 und hat 5 Jahre Reifung in Allier-Eichen- , deutschen Kastanien-, spanischen Sherry- und amerikanischen Bourbon-Fässern erfahren dürfen. Dies macht ihn zu einem angenehm milden Whisky. Aufgrund der Lagerung im klimatisch eher mediterranem Mainklima und den milden Wintern lassen sich hier angenehme florale Noten, Vanille-, Frucht- und Toffee-Aromen finden.    http://www.brennerei-ziegler.de/whisky.html

Nach einigen grundsätzlichen Informationen über die Grundstoffe des Wassers des Lebens und die Unterscheidungsmerkmale der einzelnen Whiskyarten setzen wir unsere Whiskyreise in nordwestlicher Richtung fort.logo200

Aus dem Schwarzwald stammt der Black Forrest Single Malt Whisky. Genauer gesagt aus der badischen Staatsbrauerei Rothaus. Nicht umsonst wurde diese Destillerie bereits mehrfach zur besten deutschen Whisky-Destillerie gekürt.  Beste Zutaten handwerklich perfekt zum Roh-Brand destilliert und in besten Hölzern gelagert. So entsteht ein toller Single Malt mit sehr feinen Geschmacksnoten. Eine angenehme Vanillenote gepaart mit Getreide- und Malzaromen wird durch feine dunkle Fruchtaromen wunderbar abgerundet.   http://www.kammer-kirsch.de/rothaus-single-malt-whisky/

An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis an die Torf- und Rauchfans unter Euch. So Ihr denn noch die Möglichkeit habt, die 2014er Sonderabfüllung von Rothaus zu probieren oder Ihr gar noch eine Flasche ergattern könnt, nutzt dies auf jeden Fall aus. Belohnt wird es mit einer unglaublichen Karamellbombe und besten Raucharomen. Leider ist diese Abfüllung viel zu endlich, aber eben auch extrem lecker. :-)

Der zweite Gang wurde nun serviert: Hackfleischbällchen mit Spinat und Nüssen auf knusprigem Kartoffelpuffer. Eine tolle Komposition, die ich so bisher noch nicht gegessen hatte. Geschmacklich waren die Zutaten perfekt aufeinander abgestimmt und ließen keine Wünsche offen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an die Küche, das war wirklich ein Menü der Spitzenklasse.

Der abschließende deutsche Vertreter kam an diesem Abend aus dem schönen Münsterland. Der J.B.G Münsterländer Single Malt Whisky aus der Gutsbrennerei Geuting e. K. in Bocholt.Lagerhaus Abgefüllt mit 43% vol. stand hier ein absoluter Newcomer vor unseren Gästen. Im Glas machten sich schnell Aromen wie Eichenholz, süße Früchte und etwas Malz breit. Die Nase versprach nicht zu viel, auch geschmacklich hatte dieser Single Malt einiges zu bieten: Mild und süß mit leichten Anklängen von Trauben kamen die Vanille der Bourbon-Fasslagerung sowie der Malzgeschmack gut zur Geltung. Auch leichte Anklänge von Rauch ließen sich hier finden. Insgesamt gelangten 937 Flaschen in den Handel und konnten aus dem Stand begeistern. Für mehr Infos: http://www.muensterland-whisky.de/

Die Reaktionen der Teilnehmer fielen überrascht und durchweg positiv aus. Auch die Anwesenden, die unsere deutschen Whiskys bisher noch nicht so positiv auf dem Schirm hatten, waren unisono der Meinung, dass hier ein breites und tolles Spektrum auf die Whiskyliebhaber wartet und in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch viel abwechslungsreiches auf uns alle wartet.

Bald mehr in Teil 2 und den irischen Vertretern des Abends………